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Verkehrspolitische Radtour

mit dem Oberbürgermeister Jürgen Krogmann 
und VertreterInnen der Verwaltung

Am 10. Juli veranstaltete  der ADFC-Kreisverband Oldenburg eine verkehrspolitische Radtour mit OB Jürgen Krogmann und anderen VertreterInnen der Stadtverwaltung. Bei der ca. 8 km langen Tour ging es darum, den Zustand des Radwegenetzes hautnah zu erleben, zu verstehen und vor Ort in den Dialog zu treten. Behandelt wurden dabei sowohl die Herausforderungen, denen sich Radverkehrsförderung in Oldenburg stellen muss, als auch die Vorteile einer systematischen Radverkehrsförderung sowie die guten Ansätze, die es jetzt schon gibt. Gleichermaßen wurden Oldenburgs Potenziale und damit die Chancen für die Attraktivität und die überregional herausragende, zukunftsweisende Stellung der Stadt thematisiert.

Herausforderung: Wandel und Zuwachs des Radverkehrs

Mehr und mehr Menschen entdecken die Radmobilität als kostengünstige, zeitsparende und umweltfreundliche Alternative zum motorisierten Individualverkehr (MIV). Es macht sich in Oldenburg ein Wandel bemerkbar, der in großen Städten wie Berlin oder Hamburg schon offen diskutiert wird. Das Rad wird mehr und mehr gesellschaftsfähig, sei es aufgrund eines gesteigerten Umweltbewusstseins oder weil es günstiger und flexibler ist als das Auto. Der Blick in die Städte, wie Groningen, Kopenhagen, London, Wien, New York, Portland oder neuerdings auch Paris bestätigt diesen Eindruck ebenfalls. Begünstigt wird diese Entwicklung durch technische Verbesserungen und durch die größere Auswahl an Lastenrädern, die für den Transport von Kindern oder großen Einkäufen eine gute Alternative zum MIV bieten.

Infolgedessen nehmen die Zahl der FahrradfahrerInnen und der Anteil der mit dem Rad zurückgelegten Wege seit Jahren zu. Auf den Straßen bleibt das nicht ohne spürbare Wirkung: Der Radverkehr wird vielfältiger – schnelle PendlerInnen, SchülerInnen, Kinder- oder Pakettransport und auch Radtouristen teilen sich die Verkehrsinfrastruktur Oldenburgs. Vor diesem Hintergrund werden Defizite bei Infrastruktur, Routenführung und Miteinander im Straßenverkehr sichtbar. Sinn und Zweck der verkehrspolitischen Radtour war es unter anderem, diese Defizite erfahrbar zu machen und klar und deutlich anzusprechen.

Die bestehende Infrastruktur ist streckenweise schlecht ausgebaut oder an anderen Stellen so überlastet, dass sich an manchen Kreuzungen regelmäßig Fahrradstaus bilden, wie zum Beispiel an der Kreuzung Ofener Str./ Peterstr./ Herbartstr. Die separate Führung des Radverkehrs auf Seitenanlagen bringt stellenweise Gefährdungen mit sich (z.B. Staulinie). Längere, radspezifische Routen sind nicht konsequent ausgewiesen oder verbunden. Die konsequente Nutzung der Fahrbahn, dort wo es keinen benutzungspflichtigen Radweg gibt, ist vielen RadfahrerInnen willkommen, aber teilweise noch ein Wagnis, da viele AutofahrerInnen sich an ein solches Miteinander gewöhnen müssen. Unverständnis bis hin zur Nötigung sind alltägliche Erfahrungen.

Heute weiß man nicht nur, dass eine alte Infrastruktur zu Konflikten und tödlichen Unfällen führt, sondern auch, dass die Bevorzugung des MIV nicht dem aktuellen und zukünftigen Verkehrsverhalten der Bürger entspricht. Die richtlinienkonforme Instandsetzung der Infrastruktur sowie die Anpassung der Radverkehrsführung an die veränderten Bedarfe (z.B. durch Um- oder Rückbau) muss daher genauso vorangebracht werden wie die Aufgabe, die Akzeptanz und Erwünschtheit des hohen Anteils nicht-motorisierter Verkehrsteilnehmer in Oldenburg entsprechend zu kommunizieren und so breit wie möglich in der Bevölkerung zu verankern.

Oldenburg – und das zeigte zuletzt das Ergebnis des ADFC Leitet Herunterladen der Datei einFahrradklima-Tests 2014 – ist dennoch auf einem guten Wege. Stellenweise wurde die Radverkehrsinfrastruktur ausgebaut, die Routenführung für RadpendlerInnen verbessert und etwa mit der weitgehenden Aufhebung der Radwegbenutzungspflichten begonnen, die Seitenanlagen (auch zugunsten der FußgängerInnen) zu entlasten und die im „Öffnet externen Link in neuem FensterStrategieplan Mobilität und Verkehr“ angestrebte Gleichberechtigung von Radverkehr und MIV zu realisieren.

Die durchgeführte Tour hat an ausgewählten Punkten im Oldenburger Stadtgebiet diese Herausforderung erlebbar gemacht. Dabei wurde sowohl über ortsspezifische, aktuelle Probleme, als auch über allgemeine Verbesserungspotenziale im Sinne einer systematischen Radverkehrsförderung gesprochen.

Faktoren einer systematischen Radverkehrsförderung

Die allgemeinen Probleme und Aufgaben lassen sich zum besseren Überblick nach harten und weichen Faktoren unterscheiden. Die harten Faktoren umfassen einerseits die Infrastruktur, z.B. Radwegbreiten, Aufstellflächen an Ampeln und Kreuzungen, Ausweisung von Routen oder Parkflächen. Konkrete Beispiele entnehmen Sie bitte dem Anhang. Andererseits umfassen die harten Faktoren die Ausstattung mit Ressourcen, sowohl finanziell als auch personell. Gemäß der Empfehlung des Nationalen Radverkehrsplans (NRP) des BMVI müsste Oldenburg 2020 mindestens doppelt so viel investieren wie dieses Jahr, um alleine die radspezifische Infrastruktur instand zu halten.

Neben diesen harten Faktoren gibt es weiche Faktoren wie die Kommunikation mit der Öffentlichkeit oder das sensible Einwirken auf das Verkehrsklima. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit und ein klar formuliertes Bekenntnis zur Radverkehrsförderung wird bei AutofahrerInnen mehr Verständnis und Geduld im gemischten Verkehr erwirkt. Dadurch wird die Fahrbahnfläche von mehr RadfahrerInnen genutzt und die Situation auf den Seitenanlagen entspannt sich auch für FußgängerInnen. Bestandteil einer systematischen Radverkehrsförderung sollte auch die begleitende Evaluation und die Berücksichtigung aktueller Forschungsstände zum Thema Radverkehr sein.

Da geht noch mehr: Oldenburg hat Potenzial – aber braucht eine Vision

Obwohl Oldenburg sehr stark vom Ruf als Fahrradstadt profitiert, sind viele RadfahrerInnen unzufrieden mit der wirklichen Situation, denn der Ausbau der Fahrbahnen hat über Jahre ausschließlich dem MIV gedient. Andere Städte haben Oldenburg, was die Radverkehrsförderung durch Umbau und Investition in Öffentlichkeitsarbeit anbelangt, überholt.

Anke Wiechmann, Vorsitzende des Kreisverband Oldenburg sagt: „Unsere Stadt läuft Gefahr, ihren Ruf als lebendige Fahrradstadt zu verlieren, denn alleine ein hoher Radverkehrsanteil wird zukünftig nicht mehr für dieses Label ausreichen“.

Es ist politische, visionäre Weitsicht gefragt. Vorbilder, Beispiele und funktionierende Lösungen gibt es schon viele. Oldenburg sollte sich mindestens an diesen Maßstäben orientieren, um (wieder) eine Vorreiterrolle zu erlangen. Der ADFC-Kreisverband Oldenburg steht hierbei als kompetenter Partner zur Verfügung (siehe auch das Öffnet externen Link in neuem Fensterverkehrspolitische Programm des ADFC).

In Folge eines Bekenntnisses zur Radverkehrsförderung würde man im gleichen Zuge auch andere Probleme wie die Feinstaub- und die Lärmbelastung angehen. Radfahren ist nicht nur ein Mobilitätsthema, sondern auch Stellschraube von Umweltpolitik und Lebensqualität. Auch als Impulsgeber für den Tourismus ist eine umfangreiche Radverkehrsförderung nicht zu unterschätzen.

Die durchgeführte Tour und der Austausch vor Ort haben gezeigt, dass die Potenziale für eine optimierte systematische Radverkehrsförderung vorhanden sind.

„Die verkehrspolitische Radtour mit dem ADFC war für mich sehr informativ und aufschlussreich. Wir nehmen die Anregungen gerne auf und werden bei unseren weiteren Planungen eine Verbesserung der Radwegesituation soweit möglich mit in unsere Planungen einbeziehen“ sagte Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann.

Der ADFC Oldenburg wünscht sich im Sinne aller Radfahrenden und der ganzen Stadt, dass hierauf aufgebaut und damit die Radverkehrsförderung in Oldenburg weiter zur ‚Chefsache‘ wird.

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